Ariadne auf Naxos

Diese Oper habe ich nur in Erinnerung gehabt von einer Fernsehübertragung mit Jessey Norman als Ariadne, James King als Bacchus und Tatjana Troyanos als Komponist. An Zerbinetta erinnerte ich mich mehr. So konnte ich nicht mal darauf antworten, wenn ich auch später mal nach der Zerbinetta-Arie gefragt wurde.

 

Diese Komponistenarie fand ich damals rasend und ich erkannte, daß man von dem Finale süchtig werden konnte. Wunderschöne Musik mit den typisch strauss'schen Bögen.

 

Als das Opernhaus Zürich eine neue Ariadne-Produktion heraus brachte, saß ich wie hypnotisiert in der Premiere. Dem ersten Akt kann ich auch heute noch nicht allzuviel abgewinnen, abgesehen von der Komponisten-Arie. Aber der zweite Akt ist einfach phänomenal. Gerade in dieser Zürcher Produktion, in der der zweite Akt in der von den Zürchern viel geliebten Kronenhalle spielt, wurde so realistisch dargestellt, der Zuschauer hatte das Gefühl, mitten im Geschehen dabei gewesen zu sein. Diese Mischung aus Realität und Fiktion wurde hervorragend ausgearbeitet und umgesetzt. Die Protagonisten, allen voran Emily Magee als Ariadne, Roberto Sacca als Bacchus und Elena Mosuc als Zerbinetta ergaben ein Trio, von dem man denkt, es gäbe kein besseres für diese Oper. Apprpos Trio: Die Nymphen in dieser Produktion als Servierpersonal darzustellen war ein weiterer geglückter Einfall. Zudem haben die drei traumhaft schön gesungen. Ihre Stimmen in feinster Weise aufeinander abgestimmt. Ein stimmlich harmonischeres Trio wird man anderenorts kaum finden ...

 

Seit dieser Produktion weiß ich auch von der Zerbinetta-Arie. Es gibt wohl kaum eine längere Koloratur-Arie in der gesamten Operngeschichte.

 

Diese Produktion der ARIADNE sei jedem ans Herz gelegt. Für mich das stimmigste Opernereignis in Zürich mit gleichem euphorischen Empfinden wie 1986 DIE FRAU OHNE SCHATTEN in Bielefeld.

 

 

Entstehungsgeschichte

Das Werk - das dritte Gemeinschaftswerk von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal - entstand unmittelbar nach der Oper DER ROSENKAVALIER und ist als "Kammeroper" für ein 36-köpfiges Musikensemble konzipiert. Ursprünglich sollte es in Berlin am Theater von Max Reinhardt uraufgeführt werden. Diese fand dann jedoch in der ersten Fassung am 25. Oktober 1912 am Kleinen Haus des Hoftheaters in Stuttgart statt, als "Einlage" für Hugo von Hofmannsthals Bearbeitung von Molières Komödie DER BÜRGER ALS EDELMANN, wobei nur der Opernakt ARIADNE (ohne das Vorspiel) aufgeführt wurde. Die Kombination von Schauspiel und ARIADNE-Oper war ein großer Misserfolg. Erst nach einer Überarbeitung entstand die heutige Fassung und wurde am 4. Oktober 1916 an der Hofoper in Wien uraufgeführt.

 

 

Handlung

Vorspiel – Im Palast eines Neureichen

Im Haus eines Neureichen soll die Opera seria ARIADNE, unmittelbar danach ein derbes Tanzstück aufgeführt werden. Dem Musiklehrer des Opernkomponisten kommt dies zu Ohren, und er beschwert sich darüber beim Haushofmeister. Dieser entgegnet ihm, dass es alleine die Sache des Hausherren sei, was und in welcher Reihenfolge er was aufgeführt sehen wolle, denn schließlich bezahle er "das Spektakel". Die Mitwirkenden der Stücke und der Komponist treffen allmählich ein, so auch Zerbinetta mit ihren vier Partnern (Harlekin, Brighella, Scaramuccio und Truffaldin), die zum lustigen Nachspiel der Oper tanzen sollen. Der Komponist ist von Zerbinetta, diesem "entzückenden Mädchen" fasziniert. Dann nimmt der Musiklehrer seinen Zögling beiseite und erzählt ihm, was ihm zu Ohren kam. Der Komponist ist entrüstet. Niemals soll ein lustiges Tanzspiel nach seinem Kunstwerk aufgeführt werden. Da erscheint der Haushofmeister mit dem neuesten Befehl seines Herren. Die Opera seria und die Opera buffa sollen gleichzeitig gegeben werden, das ganze Stück dürfe zudem nur eine Stunde dauern, denn danach (um neun Uhr) müsse unbedingt pünktlich das Feuerwerk für die Gäste beginnen.

 

Der Musiklehrer ist entsetzt, der Tanzmeister zuversichtlich. Er macht den Vorschlag, daß man zunächst von der Opera seria einiges kürzen solle und die Tanzszenen behutsam dort einbauen soll. Der Komponist ist zunächst entrüstet. Zerbinetta versteht es jedoch, ihn zu überzeugen und erklärt das Stück aus ihrer Sicht:

 

  • Das Stück geht so: Eine Prinzessin ist von ihrem Bräutigam sitzen gelassen, und ihr nächster Verehrer ist vorerst noch nicht angekommen. Die Bühne stellt eine wüste Insel dar. Wir sind eine muntere Gesellschaft, die sich zufällig auf der Insel befindet [...] und sobald sich eine Gelegenheit bietet, treten wir auf und mischen uns ein.

 

Der Komponist ist hin und her gerissen, überschwänglich feiert er die Macht der Musik: Musik ist eine heilige Kunst. Als die Aufführung beginnen soll und Zerbinetta und ihre Begleiter auf die Bühne stürmen, schlägt seine Stimmung wieder um: Wer hieß dich zerren mich in diese Welt hinein? Lass mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigen!

 

Oper – Wilde Landschaft auf Naxos

Die drei Nymphen Najade, Dyrade und Echo bedauern Ariadne, die von ihrem geliebten Theseus auf der Insel Naxos verlassen wurde. Untröstlich klagt sie über die Hoffnungslosigkeit ihres Lebens. Sie wartet nur noch auf den Todesboten. Zerbinetta und ihre Gefährten versuchen Ariadne mit Tanz und Gesang aufzuheitern. Dies jedoch misslingt. Danach versucht Zerbinetta in einem Gespräch unter vier Augen, von Frau zu Frau, Ariadne neuen Lebensmut zu geben (mit einer der spektakulärsten Koloraturarien): Großmächtigste Prinzessin. Sie teilt Ariadne ihre Lebensphilosophie - insbesondere ihre Sichtweise über Liebe und Treue - mit: Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben war ich stumm, kann Ariadne jedoch weder aufheitern noch überzeugen. Stumm verzieht sich Ariadne in ihre Höhle. Danach erscheinen wieder Zerbinettas Gefährten. Gekonnt kokettiert sie mit ihnen, und verschwindet dann mit ihrem erwählten Harlekin.

Die drei Nymphen bemerken die Ankunft eines Fremden. Es ist der Gott Bacchus, welcher der Macht Circes entkommen konnte und über seinen Sieg über Circe berichtet. Ariadne erwacht aus ihrer leblosen Starre und glaubt beim Anblick Bacchus, der Todesbote sei endlich angekommen. Bacchus wiederum, von der Schönheit Ariadnes fasziniert, glaubt, sie sei eine Zauberin von der Kategorie Circes. Beide überwinden ihre natürliche Scheu, und erfahren durch das Wunder der Liebe eine sagenhafte Wandlung. Ariadne erwacht zu neuem Leben, und der Gott Bacchus, der ebenfalls der Liebe abgeschworen hatte, kehrt zu einer neuen Liebe zurück:

 

  • Deiner hab' ich um alles bedurft! Nun bin ich ein anderer, als ich war, durch deine Schmerzen bin ich reich, nun reg' ich die Glieder in göttlicher Lust! Und eher sterben die ewigen Sterne, eh' denn du stürbest aus meinem Arm!

 

Zerbinetta kommt aus der Kulisse und wiederholt mit spöttischem Triumph ihr Rondo: Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm!