Ensemble

Hier werden nicht die zur Zeit am Stadttheater Bielefeld engagierten SängerInnen berücksichtigt, sondern ausschließlich einige Mitglieder der Theaterleitung und des Sängerensembles, die dort in den 80er Jahren nicht nur gesanglich und darstellerisch große Opernabende mit für mich bleibenden Erinnerungen hinterlassen haben.

 

Das Bielefelder Stadttheater war zu dieser Zeit immer in der Lage, für sämtlich dort aufgeführte Opern die Rollen mit SängerInnen aus dem eigenen Ensemble besetzen zu können.

 

Natürlich gab es ab und zu auch Gäste für bestimmte Partien.

 

Das theatereigene, hochkarätige Ensemble war homogen aufeinander eingespielt und sehr gut aufeinander abgestimmt und sang immer auf oberstem Niveau.

 

An großen und wirklich guten Stimmen fehlte es dem Haus nie. So gut wie jede Rolle und jeder Stimmtyp konnte mit hauseigenem Personal besetzt werden.

 

Das Frauenfach war durch die Bank weg großartig besetzt.

 

Dramatischer Sopran:

 

Gudrun Volkert als Leonore in FIDELIO, als Fürstin in RUSALKA, als Senta im FLIEGENDEN HOLLÄNDER oder als MEDEA oder TURANDOT. Gesanglich und darstellerisch erste Sahne ...

 

Ingeborg Schneider als Heliane in DAS WUNDER DER HELIANE, als Chawa in DIE ERSTEN MENSCHEN und als fantastische Elsa / Sissi im Aufsehen erregenden LOHENGRIN von Richard Wagner. Eine Singschauspielerin erster Güte. Ich würde sie sehr gerne wieder sehen ...

 

Klara Barlow, die eine hervorragende, für mich einzigartig überzeugende Färberin in DIE FRAU OHNE SCHATTEN gab. Sie steht Ingeborg Schneider als Singschauspielerin in Nichts nach. Auch sie hätte ich sehr gerne wiedergesehen.

 

Dramatischer Koloratursopran:

 

Christine Weidinger als Violetta in LA TRAVIATA, als NORMA, als Amina in LA SONNAMBULA oder als Elisabeth I. im ROBERTO DEVEREUX und als Berta in DER PROPHET; immer eindringlich und brilliant ...

 

Cynthia Makris als Kaiserin in der FRAU OHNE SCHATTEN, als Olympia, Antonia, Giulietta, Stella in HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN oder als LUISA MILLER. Stimmlich frisch, sauber und klar ...

 

Charaktersopran oder lyrischer (auch Koloratur-) Sopran:

 

Janice Harper als Stimme vom Himmel in DON CARLOS, als Adina in DER LIEBESTRANK oder als Ännchen in DER FREISCHÜTZ. Frau Harper besass eine der höchsten Frauenstimmen des damaligen Ensembles. Sie WAR die Stimme vom Himmel.

 

Mezzo- oder Altfächer:

 

Auch in diesem Bereich hatte das Bielefelder Stadttheater sehr gute Sängerinnen mit großen Stimmen. Im Vergleich zu den Ensembles vieler anderer Theater und Opernhäuser scheint es sehr bemerkenswert, daß das Stadttheater Bielefeld "sogar" über eine richtige Altistin verfügte. Oft wird das Altfach von den Mezzosopranistinnen abgedeckt, was ich persönlich sehr bedauere. Meiner Ansicht nach macht es doch einen großen Unterschied, ob Altpartien von echten Altistinnen gesungen werden, oder "nur" von Mezzosopranistinnen. Die wirklich große und dunkle Tiefe fehlt dann sehr häuftig. Was das Theater Bielefeld angeht, erinnere ich hier nur an

 

Krystyna Michalowska als dramatischer Mezzosopran, die eine eindringliche und dämonische Amme in der FRAU OHNE SCHATTEN und eine großartige Fides in DER PROPHET gesungen und gespielt hat oder an

 

Gisela Weintritt mit lyrischem Mezzosopran als wunderbar burschikos gespielter Küchenjunge in RUSALKA oder als Ines im TROUBADOUR, bei der doch tatsächlich in einer Vostellung die Orchesternoten fehlten und der 1. Akt nur mit Klavierbegleitung aufgeführt wurden. Die SängerInnen wuchsen über sich hinaus. Einer ihrer grössten Erfolge in Bielefeld war der Octavian im ROSENKAVALIER und natürlich an die unvergessene und hoch geschätzte

 

Erika Florack (Alt), die auch als La Cieca in LA GIOCONDA ihre herrliche Stimme voll aussingen konnte und als Stimme von oben in der FRAU OHNE SCHATTEN wunderbar voll und tief gesungen hat oder als Stimme der Mutter in HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN eben nicht nur die "Stimme" war, sondern in einem grossen Bild "lebendig" wurde.

 

Jane Henschel (Mezzo) trat in der Spielzeit 1985/1986 in DIE BALLADE VON BABY DOE im Stadttheater Bielefeld auf.

 

 

Die Damen betone ich sicher aus dem Grund, weil ich doch so frauenstimmenfixiert bin ... smile.

 

 

Die Herren möchte ich aber dennoch nicht vernachlässigen, so fallen mir doch sofort

 

Zachos Terzakis als Alfredo in LA TRAVIATA, als Faust in MARGARETHE -FAUST- oder als Enzo Grimaldi in LA GIOCONDA oder James O'Neal als Rudolfo in LA BOHEME, als ROBERTO DEVEREUX oder als Azor in ZEMIRE UND AZOR ein. Es gab auch einen guten David Griffith zum Beispiel als Hoffmann in HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN und die große Stimme von Stephen Algie als Johann von Leiden in DER PROPHET oder als Rudolfo in LUISA MILLER und in DAS LEBEN DER BOHEME. Auch der Spieltenor Ulrich Neuweiler verdient Erwähnung (ich erinnere mich sehr gerne an seine Hexe in HÄNSEL UND GRETEL, eine Rolle, die er sich in der Darstellung mit Richard Panzner teilte ... - obwohl mir persönlich ja ein Mezzosopran für diese Rolle viel besser gefällt ... grins)

 

sowie die vielen anderen Sänger des tieferen Stimmfachs wie

 

Helmut Kegler, Rodney Godshall als Daland und als Wassermann in RUSALKA, John Pflieger, Robert Smith als Figaro im BERBIER VON SEVILLA oder als Valentin in MARGARETHE -FAUST-, Richard Malone als Holländer oder als Mephisto in MARGARETHE -FAUST- , Michael Vier als Besenbinder in HÄNSEL UND GRETEL, als Dositeus in NERO von Boito oder als "der junge Sam" in RUH UND FRIEDEN, Ion Bric oder Eelco von Jordis als phantastischer Großinquisitor im DON CARLOS ein.

 

Selbstverständlich hatte es während der Jahre, in denen das Bielefelder Stadttheater mein zweites Zuhause gewesen war, auch Wechsel innerhalb des Ensembles gegeben.

 

Einige gingen, andere kamen und manche singen heute noch dort. Somit gehören Ulrich Neuweiler und Lassi Partanen heute sicher zu den dienstältesten Sängern dieses Hauses.

 

 

Von beinahe dem gesamten damaligen Ensemble des Bielefelder Stadttheaters findet Ihr bei mir auch Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterBiographien.

 

 

Ich möchte unbedingt betonen, daß sich meine beschriebene Begeisterung für das Bielefelder Stadttheater aus dem Grund auf die 80er Jahre bezieht, weil ich diese Zeit persönlich miterlebt hatte.

 

 

Ich kann mir vorstellen, daß das heutige Bielefelder Opernensemble ähnlich gut zusammengestellt ist und dass es sein Publikum mit seinem Gesang begeistert, wie "mein" Ensemble viele andere Theater- & Opernfreunde und mich in den 80er Jahren begeistert hatte.

 

 

Stadttheater Bielefeld macht Stars

In der Vergangenheit gab es in Bielefeld immer wieder Ensemblemitglieder, die auch überregional einen grossen Bekanntheitsgrad erlangen konnten oder welche, die den Sprung zum ganz großen, auch internationalen Star schafften.  

 

Gemäß der Digitalen Bibliothek Band 33: Sängerlexikon Kutsch / Riems zählen hierzu u. a.:

 

Mario Brell, Helge Brilioth, Hubert Delamboye, Oslavio di Pianduni, Hans Franzen, Luis Gentile, Ingrid Haubold, Hubert Hofmann, Monte Jaffe, Günter von Kannen, Sándor Kónya, Gerlinde Lorenz, Cynthia Makris, Edda Moser, Marita Napier, Gerd Nienstedt, James O' Neil, Georg Paskuda, Sue Patchell, Erna Sack, Eike Wilm Schulte, Helga Thieme, Penelope Thorn, Gudrun Volkert, Rose Wagemann, Christine Weidinger, Dorothea Weiß, Hermann Winkler, Marilyn Zschau, Tom Erik Lie, Robert Dean Smith