Maria Callas

Dies soll keine neue Biographie über die große Maria Callas werden, ich werde mich auch nicht bemühen, einen kompletten Überblick über ihr Rollenrepertoire oder ihre Operneinspielungen zu geben - über dies alles ist anderweitig viel ausführlicher und besser geschrieben worden ...

 

Es wäre nur eine schändliche Vernachlässigung von mir, in meiner kleinen Homepage, die ja nun vornehmlich über mein Operninteresse berichtet, nicht eine Seite meiner Lieblingsängerin Maria Callas zu widmen, meine Hörbegegnungen mit ihr, meine Empfindungen, mein Gefühl bei ihrer Stimme.

 

Wann genau ich das erste Mal von Maria Callas gehört hatte, kann ich ebenso wenig sagen, wie darüber, was ich von ihr zum allerersten Mal gehört hatte.

 

Ich muß schon einige Opern gesehen und auch Operngesamtaufnahmen in meiner bescheidenen Sammlung gehabt haben, als ich zum ersten Mal auf Maria Callas aufmerksam geworden bin. Bei ihrer Stimme, dem Ausdruck und der Insensität ihres Vortrages ging es mir ähnlich wie bei der FRAU OHNE SCHATTEN. Ich konnte nicht mehr ohne sie ...

 

Es gab einen Schallplattenvertrieb, den ich seinerzeit bevorzugt in Anspruch nahm. Dort schaute ich regelmäßig in den Katalog, um herauszufinden, was es überhaupt und insbesondere mit Maria Callas gab. Je mehr ich die Stimme von Maria Callas verinnerlichte oder über sie las, desto bewußter wurde mir, was ich unbedingt von ihr haben mußte.

 

Mittlerweile ist es allerdings so, daß meine Opernsammlung fast alles von ihr beinhaltet, was je von ihr veröffentlicht wurde.

 

Ich schätze an ihrer Stimme das Timbre, welches wirklich jede Gefühlsnuance zuläßt. Sie ist so intensiv in ihrem Vortag, daß es (mir) überhaupt nichts ausmacht, wenn sich ihre Stimme einmal nicht so sauber anhört oder sie sich in ihrer Atmung vergaloppiert. Zweiteres kann passieren, ersters bevorzuge ich unbedingt, wenn sich dadurch der Gesang intensiv und gelebt anhört und Emotionen richtig hörbar gemacht werden.

 

Hier hatte ich als 16jähriger eine Begegnung mit der Gesamtaufnahme der ANNA BOLENA von Gaetano Donizetti. Die Anna wurde von Maria Callas gesungen. Bei meinen Gewohnheiten, vor dem Einschlafen immer eine Schallplattenseite von irgend etwas Schönem zu hören, habe ich mich eines abends für diese Scheibe entschieden, die ich mir tagsüber neu gekauft hatte. Ich kannte weder die Musik noch den Inhalt.

 

Wow, schon der Beginn war so klasse und überaus spannend gesungen, daß ich einfach weiterhören mußte. Maria Callas war hervorragend bei Stimme und auch das übrige mitspielende (mitsingende) Ensemble stand ihr in Nichts nach. Es handelte sich hierbei um eine Liveaufnahme aus dem Jahre 1957. Die Spannung der Aufführung wurde in hervorragender Weise auf mich als Zuhörer übertragen. So blöde es sich anhört, in meiner Phantasie habe ich sogar den Szenenablauf in irren Kulissen gesehen ... Na ja, Phantasie bringt wohl jeder Zuhörer mit ... smile. Obwohl ich am nächsten Morgen früh aus den Federn mußte, um die Schule zu besuchen, konnte ich abends einfach nicht mitten in der Oper enden und habe sie bis zum Schluss - bis drei Uhr morgens gehört.

 

Ich bedaure zutiefst, diese außergewöhnliche Frau nicht einmal live auf der Bühne erlebt zu haben. Es ist auch sehr schade, daß kein Filmmaterial einer ganzen Opernaufführung mit ihr vorhanden ist. Oder ist es nur noch nicht veröffentlicht worden? (Außer einiges von ihren Konzerten und die Mordszene aus der Londoner TOSCA ist mir leider keine Filmaufnahme mit Maria Callas auf der Bühne bekannt. Interviews nicht mit einbezogen)

 

Von den vielen Büchern über sie habe ich verschiedene gelesen. Das erste Buch war so flüssig und bildhaft geschrieben, daß ich es förmlich verschlungen habe. Ich habe dabei in den unterschiedlichen Büchern über sie in vielen Passagen genau das erklärt bekommen, was ich nicht hätte anders beschreiben können. So zum Beispiel über ihre Stimme. Da ich hier kein Copyright verletzen möchte, muss ich leider darauf verzichten, diese Passage hier zu übernehmen. Ich kann leider nur auf das Buch und die Seite hinweisen: Maria Callas von Jürgen Kesting, Seite 51 ffg. (Notizen von Walter Legge).

 

Egal, welche Arien, Szenen oder Opern ich von Maria Callas höre, es hört sich für mich immer so an, als würde sie nicht nur Noten und Text singen. Sie lebt diese Rollen. Bei allen Arien oder Szenen. Ob im Konzert, in der Oper oder in Studioaufnahmen.

 

Es ist richtig spannend, eine von Maria Callas gesungene Arie in Aufnahmen aus verschiedenen Jahren zu hören und zu vergleichen. Die Entdeckung der Unterschiede in der Intensität des Ausdrucks, in der Formung und Gestaltung, der Stimmfärbung oder Ausschmückung von Koloraturen eines Stückes ist faszinierend.

 

Da sie auch Mozart sang, hätte ich zu gerne einmal eine "Königin der Nacht" von ihr gehört. Eigenartigerweise habe ich nie einen Hinweis darauf gefunden, ob so eine Aufnahme existiert.

 

Mein Interesse und meine Faszination für Maria Callas hat nie nachgelassen und ich konnte sie und die Oper im Allgemeinen sogar einem bis dahin opernuninteressierten Freund von mir näher bringen.