Nederdüütsch - Plattdüütsch

Als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Nederdüütsch, Plattdüütsch) werden die in Norddeutschland verbreiteten Mundarten bezeichnet, welche sich durch das Fehlen der hochdeutschen Lautverschiebung auszeichnen. Unterschiedlich beurteilt wird, ob das Niederrheinische zum Niederdeutschen gezählt werden soll.

 

Die niederdeutschen Mundarten gehören zum Dialektkontinuum der kontinentalen westgermanischen Mundarten, zusammen mit den übrigen deutschen Mundarten und niederländischen Mundarten. Darüber hinaus weist die niederdeutsche Sprache Ähnlichkeiten mit dem Englischen und dem Friesischen auf.

 

Niederdeutsch im heutigen Sinne wird weitgehend gleichgesetzt mit dem Niedersächsischen und dem Ostniederdeutschen und wird im Norden Deutschlands gesprochen. Als Südgrenze zählt entweder die Benrather Linie (maken-machen-Isoglosse) oder die ein wenig nördlicher gelegene Uerdinger Linie (ik-ich-Isoglosse). Besonders im Ostniederdeutschen verschieben sich diese Isoglossen bis heute weiter nach Norden. Die letzte umfassende Erhebung von 1984 zum Sprachstand des Niederdeutschen wies für die damalige Bundesrepublik Deutschland rund 8 Millionen Sprecher der Regionalsprache aus. Für das Jahr 2006 ist von maximal 5 bis 8 Millionen Sprechern auszugehen.

 

Die Bezeichnung der eigenen lokalen Varietät als Platt ist nicht nur im Niederdeutschen verbreitet, sondern auch im Westmitteldeutschen. Das Niederdeutsche hat (wie andere Dialekte auch) den Ruf, eine gemütlich-heimelige Sprache zu sein.

 

Der Satzbau des Niederdeutschen erlaubt Konstruktionen, die im Hochdeutschen als agrammatisch abgelehnt werden. Zum Beispiel sind Sätze wie:

 

Ik mach dat nich, gahn rut bi Rägen (hochdt. wörtlich: Ich mag es nicht, gehen hinaus bei Regen - vgl. Englisch: I don't like to go out in the rain) normal. Dieser Gebrauch des Infinitivs ist ein weiterer Unterschied zum Hochdeutschen. Alternativ könnte man allerdings auch Ick mach dat nich, bi Rägen rut tou gahn sagen. Außerdem kann man den erstgenannten niederdeutschen Satz auch im Hochdeutschen so bilden, wenn man ihn als Ich mag das nicht, Rausgehen bei Regen versteht (also als substantivierten Infinitiv). Wer solcherart "kreativen Sprachgebrauch" als "ungrammatisch" ablehnt, müsste dies konsequenterweise auch für das analoge Beispiel im Niederdeutschen tun.

 

Das Niederdeutsche hat keine einheitliche oder verbindliche Rechtschreibung. Sprachwissenschaftler benutzen in der Regel eine phonetische Transkription, also eine Schreibung, die die Laute so genau wie möglich wiedergibt. Allerdings sind solche Texte für ein breites Publikum schwer zu lesen. Die meist gebrauchte Rechtschreibung für niederdeutsche Texte ist die Rechtschreibregelung von Johannes Saß ("Kleines plattdeutsches Wörterbuch. Nebst Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung", Hamburg 1972). Sie lehnt sich an die hochdeutsche Rechtschreibung an und macht die Abweichungen besonders kenntlich. Allerdings ist diese Rechtschreibung weder verbindlich noch geographisch umfassend. Sie gilt primär für die nordniedersächsischen Dialekte. Für das Westfälische mit seinen vielen Diphthongen ist sie weniger gut geeignet. (1)

 

 

Missingsch

Missingsch (von Meißnerisch in Bezug auf die Meißner Kanzleisprache) ist eine Mischsprache, die dadurch entstand, dass niederdeutsche Muttersprachler Hochdeutsch zu sprechen versuchten. Es ist daher von den hochdeutschen Dialekten Norddeutschlands abzugrenzen. Merkmale sind die Beibehaltung des niederdeutschen Satzbaus und volkstümliche Lehnübersetzungen niederdeutscher Wendungen ins Hochdeutsche.

 

Die Grammatik des klassischen Missingsch ist vorwiegend niederdeutsch, das Vokabular eine Mixtur aus Hochdeutsch und niederdeutschen Ausdrücken.

 

Einige Beispiele (in Klammern plattdeutsch und hochdeutsch):

 

  • Lang mich mal die Kanne Miich (Lang mi mol de Melkkann) (Gib mir bitte das Milchkännchen)
  • Sitzen gehen schallst du erst, wenn de Vadder da is (Sitten gahn schallst du iers, wenn de Vadder dor is) (Hinsetzen sollst du dich erst, wenn der Vater da ist)
  • Der ist tot geblieben. (He is dood bleven) (Er ist gestorben).
  • Ich tu dich blots ankucken, denn wirst du klar kriegen was die Klock geslagen hat. (Ik do di blots ankieken, denn schallst du klorkreegen, wat de Klock slaan hett) (Ich schaue dich nur an, dann weißt du, was die Uhr geschlagen hat).

 

An dem letzten Beispiel erkennt man sehr gut, dass Missingsch kein Niederdeutsch ist: Es wird was anstatt niederdeutsch wat gesagt. Noch bezeichnender ist die Verwendung von ich statt ik.

 

Eine unbeantwortete Frage in der Literatur ist, ob es sich bei Missingsch um eine real gesprochene oder eine bewusst gestaltete literarische Sprachform handelt.

 

Alle literarischen Missingsch - Texte (wie etwa Jochen Steffens "Kuddl Schnööfs achtersinnige Gedankens und Meinungens von die sozeale Revolutschon und annere wichtige Sachens") weisen überdurchschnittlich viele Merkmale des Missingschen auf, so dass man davon ausgehen kann, dass diese nicht der realen Sprechsituation gleichen. (1)

 

Eine Art (regionale) Halbmundart, wird (heute noch in Hamburg, Kiel u. a.) meist von der Unterschicht (Hafen-, Werftarbeiter u. a.) gesprochen

 

Einige Charakteristika: u.a.

  • falsche Kasus (Es is mich ... unmöglich, von die ... Kunß; über ihr schnacken; ihm blätterte; den Macker drehte ...)
  • [assimilatorische] Verschleifungen (dascha < das ist ja; aussas < aus dem; vonnie < von der (eig. die), annen < an dem, dassu < daß du
  • silbendehnende Tilgung eines postvokalen /r/ (wahn < waren; ein paa; Fäänsehn, ganich, nomal, Gegenwaht, modän)
  • verbale Erweiterung mit 'tun' (wennu ... bekuken tust)
  • Universal-Relativum wo (die Dame, wo den verkaufte)
  • Palatalisierung (jünger > schünger; jetzt > schezz; ja > tscha)
  • Auslassung des -t in 2. und 3.Sg. Präs.Ind. und Part.Perf. sowie anderswo ([du] glaubs, [du] weiß, [was] heiß [aber: sacht 'sagte'], häng '[sie] hängt'; verkuk: vgl. Afrikaans beperk 'beschränkt'; meiß 'meist', Kunß 'Kunst' [analog: künßlerisch])
  • 'eigensprachliches' /st/ und /sp/ werden 'norddeutsch' realisiert, in
  • Fremdwörtern dagegen 'hyperkorrekt' als /schp/ und /scht/ (Proschpeck, Schtaatssekretär; Revolutschon)
  • s-Plural (mit Doppelmorphem: Augens, Kwalens, Männers, Meinungens, Sachens (3)

 

 

Hamburger Platt

Unter dem Begriff Hamburger Platt werden alle in Hamburg gesprochenen Varietäten des Niederdeutschen (Plattdeutschen) zusammengefasst.

 

Das Hamburger Platt wird zumeist in zwei Gruppen eingeteilt, in denen sich der alte (heute kaum mehr erkennbare) kulturelle Gegensatz von Geest und Marsch widerspiegelt:

 

Als Geest-Platt werden die Mundarten bezeichnet, die auf der Geest gesprochen werden, also nicht unmittelbar an der Elbe, sondern weiter davon entfernt, namentlich weiter nördlich, denn Hamburg liegt eigentlich am Nordufer der Elbe. Daher ähnelt das Geest-Platt auch stark dem Holsteiner Platt.

 

Als Marsch-Platt werden dagegen die Mundarten bezeichnet, die in der Marsch, dem elbnahen Überschwemmungsgebiet, gesprochen werden. Bekannt ist das Finkenwerder Platt, besonders, weil aus Finkenwerder viele Dialektschriftsteller stammen, aber es gibt auch das Vierländer Platt, das Platt des Alten Lands, das Harburger Platt und andere. Auch das sogenannte Hafenplatt, das früher viel im Hamburger Hafen und auf St. Pauli gesprochen wurde, gehört in diese Gruppe.

 

Wenn man vom Hamburger Dialekt spricht, so gibt es davon eigentlich drei Großdialekte in zwei verschiedenen Sprachen, wobei es sich beim Niederdeutschen um eine eigenständige Sprache, nicht um einen Dialekt handelt.

 

Die ursprüngliche Sprache Hamburgs ist nicht Hochdeutsch, sondern Plattdeutsch (Niederdeutsch). In der Hansezeit waren die nahe verwandten niederdeutschen Dialekte Hamburgs und Lübecks lingua franca Nord- und Mitteleuropas und wurden von England bis Russland verwendet. Insbesondere die skandinavischen Sprachen bewahren noch heute Lehnworte aus dem Plattdeutschen. Plattdeutsch war im Mittelalter und bis in die Neuzeit auch offizielle Amtssprache Hamburgs, neben Latein.

 

Auch heute noch wird in Hamburg Plattdeutsch in mehreren verschiedenen lokalen Dialekten gesprochen, z. B. Finkwarder Platt oder Veerlanner Platt (mit etlichen Unterdialekten). Inzwischen bemühen sich mehr und mehr Hamburger, Plattdeutsch als Zweitsprache zu lernen und zu sprechen, getreu dem Motto Hochdüütsch kann jeden Dösbaddel snacken, Platt is för de Plietschen (Hochdeutsch kann jeder Dummkopf sprechen, Platt ist für die Schlauen). Der Wortschatz des Hamburger Platts wird beschrieben im Hamburgischen Wörterbuch.

 

Der hochdeutsch geprägte Hamburger Regiolekt ist Missingsch - nicht zu verwechseln mit Plattdeutsch. Missingsch ist – wie der Name scheinbar (in der Volksetymologie) andeutet - ein Gemisch aus Standarddeutsch und Plattdeutsch. In Wirklichkeit ist Missingsch der Hamburgische Begriff für Meißnerisch, also die Meißner Kanzleisprache, aus der Hochdeutsch hervorgegangen ist. Die Grammatik ist vorwiegend niederdeutsch, das Vokabular eine Mixtur aus Hochdeutsch mit niederdeutschen Ausdrücken.

 

Der heutige Hamburgische Dialekt weicht von der hochdeutschen Aussprache nur sehr wenig ab. Die dialektische Klangfärbung des typischen "Hamburger Deutsch" sollte deutlich von Plattdeutsch oder Missingsch unterschieden werden.

 

Gekennzeichnet ist der hochsprachliche Hamburger Dialekt vor allem durch eine Verkürzung der Endsilben, z. B.: "Ich komm gleich" (Ich komme gleich) oder: "Wir fahrn nach Hamburch" (Wir fahren nach Hamburg). Der Wortschatz ist zum Teil noch bereichert durch plattdeutsche Vokabeln wie beispielsweise "vigeliensch" (kompliziert) oder "kregel" (munter). Auch tritt das interessante Phänomen auf, dass in der Umgangssprache Adverbien zu Adjektiven werden können. So sind zum Beispiel vereinzelt "appe (abgetrennte) Beine" oder "auffe (geöffnete) Fenster" anzutreffen.

 

Nur noch sehr vereinzelt und als Überbleibsel aus dem früher häufiger gesprochenen Missingsch sind Artefakte wie ein scharfes s bei st oder sp ("s-tolpern über den s-pitzen S-tein") oder die Abschwächung von »t« nach »d« zu beobachten, die auch von Hamburgern selbst als Dialekt wahrgenommen und von den jüngeren Generationen nicht mehr derart ausgesprochen werden. (Das Niederdeutsche kannte kein anlautendes »sch« vor Konsonanten.) Die ländliche Bevölkerung tendiert noch eher zu Aussprachevarianten, die sich an Missingsch oder Plattdeutsch anlehen.

 

Von Dirks Paulun gibt es mehrere Bücher (mit kleinen Erzählungen in Missingsch, aber auch authentischer Beschreibung über die Aussprache/Verwendung), die vermutlich nur noch antiquarisch oder in Büchereien erhältlich sind. (1)

 

 

Westfälisches Platt

Im westfälischen Dialekt werden vier Mundartgruppen unterschieden: das Münsterländer Platt, Ostwestfälisch (zu dem auch das Osnabrückische gehört), Südwestfälisch und das Westmünsterländische; aber auch das Twents, das Grafschafter Platt, das Westerwoldinger Platt in den Niederlanden und das Emsländer Platt werden hierzu gezählt.

 

Folgende Merkmale sind kennzeichnend für das Westfälische:

 

Unterscheidung des alten langen a wie in Rot (Rat) und dem später gedehnten a wie in Sake (Sache); Diphthongierung der alten Kurzvokale in offener Silbe ("Westfälische Brechung") wie in iäten (essen), wieten (wissen), iems (Ems) uapen (offen), Fuegel (Vogel). In einigen Gegenden werden auch die Langvokale - wie übrigens auch im Ostfälischen - diphthongiert. Triphthonge kommen vor; Die Wörter küern (reden, sprechen) und Rüe (Hund).

 

Das Westfälische hat zahlreiche altertümliche grammatische Formen und Aussprachegewohnheiten bewahrt.

 

In der verschriftlichten Form gibt es keine normierten Rechtschreibregeln; geschrieben wird meist nach phonetischen Gesichtspunkten. Für das Münsterländische und für das Ostwestfälische im Ravensberger Land gibt es jedoch ausgearbeitete Schreibweisen.

 

Der Wortschatz des Westfälischen wird im Westfälischen Wörterbuch (Westfälisch in Nordrhein-Westfalen) und im Niedersächsischen Wörterbuch (Westfälisch in Niedersachsen) beschrieben.

 

Ostwestfälisch (nicht zu verwechseln mit Ostfälisch) ist eine Dialektgruppe des Westfälischen, die im Osnabrücker Land, im Tecklenburger Land und in Ostwestfalen-Lippe gesprochen wird.

 

Der Sprachwechsel zum Hochdeutschen ist mehr oder weniger vollendet. Nur im ganz ländlichen Milieu fungiert das Ostwestfälische noch als Umgangssprache. Als Kulturgut erfreut sich das Ostwestfälische jedoch einer gewissen Beliebtheit. In der Region finden z.B. mehrmals im Jahr niederdeutsche Gottesdienste statt.

 

Nur an einigen wenigen Schulen in der Region wird das Ostwestfälische Kindern vermittelt. Außerdem gibt es Angebote in der Erwachsenenbildung.

 

Die hochdeutsche Umgangssprache der Region ist sehr stark von der niederdeutschen Phonetik beeinflusst. Auch wurden niederdeutsche Ausdrücke in das Hochdeutsche übernommen. Mit der Erosion des Niederdeutschen ist eine Verwässerung der regionalen Umgangssprache einhergegangen. (1)

 

Im Mittelniederdeutschen standen vier ê-Laute zwei ô-Lauten gegenüber. Dieses komplexe System wurde im Laufe der Zeit vereinfacht.

 

Im Rahmen dieses Vereinfachungprozesses fielen einige dieser Laute zusammen, während andere wiederum aufgespalten wurden. Die Entwicklung der ê- und ô-Laute führte daher nicht nur zum Entstehen einer anderen Aussprache, sondern resultierte in einem anderen Aufbau der Sprache. Da diese Vereinfachung in Westfalen von Landschaft zu Landschaft unterschiedlich durchgeführt wurde, entwickelten sich verschiedene Mundartgruppen innerhalb des Westfälischen.

 

Folgende Mundartgruppen lassen sich unterscheiden: Westmünsterländisch, Münsterländisch, Südwestfälisch, Ostwestfälisch. Das Grafschafter Platt und Emsländische bilden den Übergang vom Westfälischen zum Nordniedersächsischen.

 

Die ostwestfälische Mundartgruppe Mittelniederdeutsches ê und ô Entstanden aus Ostwestfälisch ê(1) umgelautetem westgermanischen â 'ai' wie z.B. in Kaise (Käse). ê(2) germanischem 'ai' 'ai' und 'äi' wie z.B. in Klaid (Kleid) und Raip (Strick) bzw. Stäin (Stein) und äin (ein). (Das 'äi' wird in einigen Mundarten als oe oder oi ausgesprochen.) ê(3) umgelautetem germanischen 'ai' 'äi' wie z.B. in kläin (klein). (Das 'äi' wird in einigen Mundarten als oe oder oi ausgesprochen.) ê(4) germanischem 'ê(2)' und germanischem 'eo' 'äi' wie z.B. in däipe (tief) und Däif (Dieb). (Das 'äi' wird in einigen Mundarten als oe oder oi ausgesprochen.) ô(1) germanischem 'ô' 'ou' wie z.B. in Fout (Fuß), Bouk (Buch) und Blout (Blut). (Das 'ou' wird in einigen Mundarten als eo ausgesprochen.) ô(2) germanischem 'au' 'au' wie z.B. in Baum (Baum), Daud (Tod), Braut (Brot) und laupen (laufen). (Das 'au' wird in einigen Mundarten als äo ausgesprochen.) Umlaut zu ô(1) 'öü' wie z.B. in Föüte (Füße) und Böüker (Bücher). (Das öü wird in einigen Mundarten als oi oder oö ausgesprochen.) Umlaut zu ô(2) 'ai' wie z.B. in Baime (Bäume), Braie (Brote) und Laiper (Läufer). (In einigen Mundarten wird oü, in anderen Mundarten wird oi gesagt.)

 

Spaltung des mittelniederdeutschen ê(2) im Ostwestfälischen ê(2) wird im Ostwestfälischen teils zu 'ai', teils zu 'äi' bzw. 'oe' oder 'oi' weiterentwickelt wie z.B. in Klaid (Kleid) und äin (ein). Das Ostwestfälische unterscheidet sich hierin von allen anderen westfälischen Mundartgruppen. Anhand der Weiterentwicklung des mittelniederdeutschen ê(2) lässt sich darum eindeutig feststellen, ob eine westfälische Mundart zum Ostwestfälischen zu rechnen ist oder nicht.

 

Weitere Merkmale des Ostwestfälischen Weiterentwicklung von 'al' zu 'ol' wie z.B. in oll (schon), os (als), ollerwiägen (überall), olltiet (immer) und olle (alle). Als Folge davon ist das 'aol' vor altem d im Ostwestfälischen zu 'aul' weiterentwickelt worden wie in z.B. ault, aule (alt, alte), haulen (halten), baule (bald), faulen (falten), kault (kalt) und Wauld (Wald). Einige Mundarten haben anschließend 'aul' in äol verwandelt.

 

Hiattilgung auch in einsilbigen Wörtern wie z.B. in Bligg [sprich: Blich] (Blei), Egg [sprich: Ech] (Ei), Megg [sprich: Mech] (Mai), Klegg [sprich: Klech] (Klei, Lehm), frigg [sprich: frich] (frei), Hagg [sprich: Hach] (Heu) und Doff (Tau). Dehnung des ursprünglich kurzen 'i' vor 'nd' wie z. B. in finen (finden), binen (binden). In Zusammenhang damit funen (gefunden), bunen (gebunden), faun (fand) und baun (band). Ebenso: Kiend (Kind). Aber: Kinner (Kinder). Dehnung des ursprünglich kurzen 'e' in Faild (Feld). ô(2) vor r, das in den übrigen Mundarten monophthongisch geblieben ist, erscheint im Ostwestfälischen häufig als au wie z.B. in Auer (Ohr), Kauern (Korn), aber Kaiern (einzelnes Korn) und hauerd (gehört) aber haiern (hören). In diese Kategorie gehören wohl auch die Wörter Tauern (Turm) und dauer (töricht). Besonderheiten im Wortschatz wie z.B. Lüüt, Lütens (Mädchen), ninn(e) (kein(e)), wacker (schön, hübsch, nett, munter), Saut (Brunnen), Piek, Miek (Regenwurm), täin (ziehen), töüben (warten), tänger maken (sich beeilen), swanke (schnell). Endung zahlreicher weiblicher Substantive im Singular auf n wie z.B. Kiärken (Kirche), Säipen (Seife), Klocken (Glocke), Wiäken (Woche), token Wiäken (nächste Woche), Stuaben (Stube, Zimmer), Wellen, Wellens (Quelle, Quellen), Müssen (Mütze).

 

Diphthongierung

Neben dem mittelniederdeutschen ê und ô hat das Ostwestfälische noch eine Reihe anderer Längen wie z.B. î und û diphthongiert (wie auch das Südwestfälische). Umfang und Intensität der Diphthongierung unterscheiden sich von Landschaft zu Landschaft, wodurch erhebliche regionale Unterschiede in der Aussprache des Ostwestfälischen (wie auch des Südwestfälischen) entstehen.

 

î û ü ô(1) ö(1) ô(2) ê(2b,3,4) I. Tiet (Zeit) Huus (Haus) Füür (Feuer) Fout (Fuß) Föüte (Füße) Braut (Brot) äin (ein) II. Têit (Zeit) Hous (Haus) Föür (Feuer) Fout (Fuß) Foite (Füße) Braut (Brot) äin (ein) III. Tuit/Tüit (Zeit) Hius(e) (Haus) Fuür (Feuer) Feot (Fuß) Foöte/Foite (Füße) Braut/Bräot (Brot) oen, oin (ein)

 

(I. = wenig Diphthongierung ; II. = mäßige Diphthongierung ; III. = starke Diphthongierung)

 

Mundarten des Ostwestfälischen Osnabrückisch-Tecklenburgisch Wenig diphthongierende Mundart. Wiedenbrücker Mundart Mäßig diphthongierende Mundart. Ravensbergisch Stark diphthongierende Mundart, die sich durch die Aufweichung des zwischenvokalischen 'p' und 't' auszeichnet: uaben (offen) und Wader (Wasser). Lippisch Stark diphthongierende Mundart. Kennzeichnet sich durch das Fehlen der Brechung der alten Kurzvokale. Enge Verwandtschaft mit dem Ravensbergischen, mit dem es vielleicht früher eine Einheit gebildet hat. Paderbornisch Stark diphthongierende Mundart mit weniger stark ausgeprägter Diphthonierung des alten î und ê: meyn (mein) und eyn (ein). Geseker und Störmeder Mundart Stark diphthongierende Mundart. Kennzeichnet sich durch eine besondere Diphthongierung des alten î: weu (wir). Waldeckisch Mäßig diphthongierende Mundart. Kennzeichnet sich durch die Bewahrung des Unterschieds von Dativ und Akkusativ in den Personalpronomen: mêi (mir), mik (mich) und dêi (dir), dik (dich). (2)

 

Quellen: (1) Wikipedia, (2) http://home.wxs.nl/~obd/obo/platt/dia.htm, (3) www.staff.uni-marburg.de/~naeser/modkunst.htm