Ohnsorg-Theater

Mein Interesse für das Ohnsorg-Theater begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Damals wurden diese Stücke regelmäßig im Fernsehen gezeigt. Leider wiederholen heute nur noch ab und zu die dritten Programme die schönsten Aufführungen mit Heidi Kabel im Fernsehen oder es werden aktuelle Inszenierungen mit heutigen Schauspielern gezeigt.

 

Mein Hauptaugenmerk in der Gestaltung dieser Seite liegt dabei hauptsächlich auf den Aufführungen unter der schauspielerischen Mitwirkung von

 

Heidi Kabel

 

Ich finde sie einfach faszinierend. Schon der erste Auftritt von ihr im jeweiligen Stück entlockt mir ein herzliches Lachen. Oft ist es nur ihr Gesichtsausdruck, manchmal auch bestimmte Bewegungen oder ihre Texte. Sie trifft immer genau meinen Humor.

 

Irgendwann habe ich begonnen, die im Fernsehen gezeigten Aufführungen aus dem Ohnsorg-Theater auf Video aufzunehmen. Mittlerweile umfaßt meine kleine Sammlung ca. 40 Stücke. Ganz wenige hiervon sind Aufzeichnungen, in denen Heidi Kabel nicht mitwirkte. Andere dafür sind die gleichen Volksstücke, nur aus unterschiedlichen Jahren. Bei diesen ist es höchst interessant, über Vergleiche festzustellen, in wie weit Frau Kabel sich im gleichen Stück anders bewegt, an welchen Stellen sie etwas anderes sagt oder wie sie auf die verschiedenen Mitspieler eingeht. Am interessantesten ist für mich dabei immer ihr Gesichtsausdruck, welcher an Nuancenreichtum in der nonverbalen Ausdrucksform nicht zu überbieten ist.

 

Alle Schauspielkollegen haben von Zuschauers Seiten immer sehr gut zu Heidi Kabel gepaßt. Sei es in der schwierigen Kunst, Komik so zu spielen, daß sie nicht gleich in Lächerliche abgleitet oder in der Darstellung des Charakters ihrer jeweiligen Rollen.

 

Verschiedene Szenen kann ich mir wieder und wieder anschauen:

 

So zum Beispiel aus FRAUEN AN BORD die Frühstücksszene, in der Heidi Kabel mit ihrer Tochter am Tisch sitzt. Heidi Mahler, alles andere als ausgeschlafen, erklärt ihrer Mutter die von ihr erledigten Arbeiten im Hausputz ... Nach ihrer Darstellung ist die Bude blitzblank. Ihr müßtet die Küche mal sehen ... smile. Da kann man sich nur krömmelig lachen ... Und dazu das Gesicht von Heidi Kabel, die sich in dem Raum umschaut ... einfach herrlich. Die Fundsachen in dem Nähkorb sind wunderbar. Alles ist drin - nur kein Nähzeug.

 

Oder wie Heidi Kabel in dem Stück MEIN MANN DER FÄHRT ZUR SEE von Hilde Sicks während Erbschaftsaufteilungen "verprügelt" wird ... fantastisch.

 

Die Briefszene in VIER FRAUEN UM KRAY ist köstlich. So neugierig sie ja immer in ihren Stücken ist, fügt sie mit Christa Wehling einen zerissenen Brief wieder zusammen und beide lesen, was nicht für sie bestimmt ist ... zum Kreischen.

 

In dem Stück WENN DU GELD HAST zeigt sie eine der komischsten Entrüstungen über ihren angeblich reichen Bruder, der ihr nur 50 Pfennige von dem nicht ihm gehörendem Sparguthaben abgibt ...

 

Faszinierend auch Heidi Kabels Gesicht in einer Szene zusammen mit Christa Wehling in KOLLEGE GENERALDIREKTOR, in der Frau Wehling prahlerisch über ihr eigenes, gutes Leben berichtet oder Frau Kabels Sprung unter ein Bett in DER MÖBLIERTE HERR.

 

Über die vielen schönen und komischen Szenen in TRATSCH IM TREPPENHAUS brauche ich sicher nichts mehr schreiben, dieses Stück hat bestimmt beinahe jeder Mensch schon gesehen und gut in Erinnerung.

 

Zu komisch auch ihre Beinarbeit in DIE KARTENLEGERIN. In der zweiten Szene mußte sie an einem so niedrigen Couchtisch Platz nehmen, daß sie einfach nicht wußte, wohin mit ihren Beinen ... Ich kann mich erinnern, daß sie mit diesem Stück auch einmal ins St. Pauli Theater fremdgegangen ist. Dort schaukelte sie sich in der gleichen Szene so hoch, daß man hätte meinen können, sie mißbrauche das Sofa als Trampolin ... herrlich.

 

Heidi Kabel hatte ebenso ihre ernste Ader zeigen können und bewiesen, daß ihr auch dieses Fach gut liegt. Sie hat sehr überzeugend in MUDDER MEWS, in MANDA VOSS WIRD 106 oder in DER BÜRGERMEISTERSTUHL gespielt.

 

Ich hätte Heidi Kabel zu gerne einmal live auf der Bühne gesehen. Bedauerlicher Weise habe ich auch ihre Abschlußvorstellung verpaßt ...

 

Ich bin überaus froh, daß ich mit dem Ohnsorg-Theater groß geworden bin und dies in einer Zeit, als diese Bühne meines Erachtens nach ihre "Hoch-Zeit" hatte. So habe ich im Fernsehen die verschiedensten Aufführungen mit den damaligen "Säulen" des Hauses gesehen:

 

 

Heidi Kabel, Hilde Sicks, Erna Raupach-Petersen, Christa Wehling, Herma Koehn, Gisela Wessel, Heidi Mahler

 

und

 

Werner Riepel, Karl-Heinz Kreienbaum, Hanno Thurau, Jürgen Pooch, Ernst Grabbe, Jasper Vogt, Otto Lüthje, Edgar Bessen, Heini Kaufeld und natürlich Henry Vahl.

 

 

Es ist immer wieder erfrischend für mich, die alten Aufführungen zu genießen, mich zu amüsieren und vor Lachen in die Ecke schmeißen zu können ...

 

Vielleicht bringen mir diese Ohnsorg-Theater-Stücke auch einen Teil meiner Kindheit zurück - wer weiß und wie auch immer ... Ich freue mich darüber, daß ich meinen Humor nie verloren habe und sich dieser absolut mit dem Humor der Aufführungen im Ohnsorg-Theater und ihrer Darsteller deckt.

 

Einige Schauspieler von damals spielen auch heute noch im Ohnsorg-Theater, manche sind aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden und neue Schauspieler sind hinzugekommen. Das ist der Lauf der Zeit, der nie ein Ende nimmt ...

 

Ich wünsche der Manschaft des Ohnsorg-Theaters, daß ihm der Spaß an den Aufführungen und die Lust auf die Verzauberung seines Publikums, welchem oft ein Spiegel vor die Augen gehalten wird, nie ein Ende finden wird ...