Premierenkuriositäten

Anlaß zu dieser Seite gibt allerdings ein Ärgernis, welchem ich hier, auf meinen Internetseiten, auch freien Lauf lassen darf.

 

Wie Ihr schon längst durch Stöbern in meiner Datenbank "Vorstellungsbesuche" erkannt habt, bin ich seit drei Jahren Premierenabonnent im Opernhaus Zürich.

 

Der Spielplan der Saison 2008/2009 bietet allerdings vier!!! Neuproduktionen von Opern an, welche noch in der letzten Saison (ca. bis vor 5 Monaten) im Repertoire gelaufen waren:

 

      • LUCIA DI LAMMERMOOR
      • COSI FAN TUTTE
      • FIDELIO
      • TOSCA

 

Die Titelheldin der LUCIA ist neu sogar die gleiche, wie schon in der alten Produktion. Ich möchte hier aber nicht den Verdacht aufkommen lassen, daß mir Frau Mosuc (LUCIA) mißfallen könnte. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie hat die Partie bravourös gesungen.

 

Mir stellt sich allerdings die Frage nach der Notwendigkeit dieser vier Neuproduktionen. Warum muß Zürich schon wieder so 'ne olle LUCIA (nix gegen die Oper an sich, sie ist schon sehr schön und das Publikum scheint immer auf die große Wahnsinnsszene zu warten) im Programm haben, wo sie doch gerade noch im Spielplan des Zürcher Opernhauses stand und im Spielplan beinahe eines jeden Stadttheaters zu finden ist? Als ob Donizetti nur diese eine Oper geschrieben hätte ...

 

Direkte Vergleiche, auch der anderen drei Opern, muß sich das Opernhaus gefallen lassen, wenn es dem Besucher keinen Raum zwischen diesen Produktionen (alt - neu) gibt.

 

Die neue LUCIA jedenfalls kann mit der Inszenierung, welche gerade noch gelaufen war, in keiner Weise mithalten. Weder das Bühnenbild noch die Regiearbeit kommt auch nur im Entferntesten an die alte Aufführung heran. Regie? Welche Regie eigentlich? Außer einer geballten Faust in einem "dramatischen Moment" sah man operntypische Bewegungen, mit welchen man das Opernpublikum vielerorts zum Teil noch bis in die 80er Jahre "verwöhnte": Arme auf, Arme zu, Arme hoch, Arme runter. Kopf mal links gedreht, dann zur Abwechslung auch mal nach rechts. Ist das Regie? Ein wirkliches (Zusammen-)Spiel hat jedenfalls nicht stattgefunden. Wo einer seine Figur schon fast überzeichnete, blieben andere einfach emotionslos. Soviel zu direkten Vergleichen ... Gut auch, das Meinungen auseinander gehen dürfen und jeder seinen Senf beitragen kann ...

 

Wäre es nicht sinnvoll gewesen, zwei bis drei Jahre ohne LUCIA (auch FIDELIO, COSI, TOSCA) auszukommen, um das Premierenpublikum dann mit einer ganz neuen und hoffentlich spannenden Inszenierung der genannten Opern zu überraschen?

 

Als Premierenabonnent erwarte ich jedenfalls nicht nur neue Insznierungen von Opern, die bis gestern noch im Repertoire gelaufen waren, ich erwarte auch völlig neue oder zumindest selten gespielte Opern.

 

So wurden im Opernhaus Zürich in den letzten drei Jahren zum Beispiel auch die Opern aus der Weimarer Republik, die so genannte "Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterEntartete Musik", völlig vernachlässigt. Sei es im Repertoire (mir fiel zumindest nichts "besonderes" auf ...) oder im Premierenangebot. Dafür werden Saison für Saison und ununterbrochen sowohl im Repertoire als auch als Premiere u. a. die Barockopern von Haydn, Händel und Konsorten gespielt. Na doll ...

 

Auf meine schriftliche "Anfrage" gab es mittlerweile eine Reaktion.

 

 

 

Der Spielplan der Saison 2009/2010 bietet gerade den Straussliebhabern eine beachtliche Zahl an Premieren.

 

  • DIE FRAU OHNE SCHATTEN

  • SALOME

  • ELEKTRA

 

Die ELEKTRA allerdings im PremierenABO zu verkaufen, grenzt schon an Frechheit. Die gleiche Oper bis 2005 im Repertoire, die gleiche Inszenierung von gleichem Regisseur (Martin Kusej) mit gleicher Interpretin der Elektra (Eva Johansson) wird in Zürich nun dem Premierenpublikum in nur einer "musikalischen Neueinstudierung" (gemäß Saisonvorschau 2009/2010 des Opernhauses Zürich) vorgesetzt. Da fragt man sich wofür?

 

Besetzungsänderungen gibt es in Zürich wie Sand am Meer, gerade auch wenn Opern viele Jahre im Programm sind. Wenn dann auch jedesmal eine Wiederaufnahme dieser Opern mit neuer Besetzung im PremierenABO verkauft werden würde, na, dann wäre ich der erste, der sein Premieren-ABO aufgeben würde ... DAS verstehe ich nämlich wirklich nicht unter einer Premiere.

 

Das Unding dieser ELEKTRA-Aufführung ist nicht die Wiederaufnahme an sich, sondern das diese ganz gewöhnliche Wiederaufnahme in einer "musikalischen Neueinstudierung" als Bestandteil des PremierenABOs verkauft wird.